Badegäste brauchen Transparenz und Ehrlichkeit, statt geschönter Zahlen

München/Wilhermsdorf – Die jüngste Veröffentlichung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), wonach 96 Prozent der bayerischen EU-Badestellen eine gute oder sogar ausgezeichnete Wasserqualität aufweisen, zeigt nach Ansicht des SPD-Landtagsabgeordneten Harry Scheuenstuhl nur einen Teil der Wahrheit: „In den Vorjahren wurden bereits solche Meldungen durch Frau Staatsministerin Gerlach bekanntgegeben. Gleichzeitig erleben wir aber an zahlreichen Seen in Bayern immer wieder Badeverbote und Badewarnungen wegen der Gesundheitsgefahr, die von sogenannten Blaualgen ausgeht. Für die Badegäste ist das ein Widerspruch, den wir politisch endlich auflösen müssen“, erklärt der Abgeordnete aus dem Landkreis Fürth.

Foto: ZV Altmühlsee

Bereits vor zwei Jahren hatte sich der gelernte Umweltschutzingenieur Scheuenstuhl diesbezüglich an Gesundheitsministerin Judith Gerlach gewandt und gefordert, Cyanobakterien – umgangssprachlich Blaualgen – in die regelmäßige Qualitätseinstufung der EU-Badegewässer aufzunehmen. Anlass waren wiederholte Badeverbote am Altmühlsee trotz gleichzeitig bescheinigter „ausgezeichneter“ Badegewässerqualität.

Die Antwort der Staatsministerin bestätigte damals den bestehenden Handlungsbedarf. Während die offizielle Qualitätsbewertung auf den regelmäßig untersuchten (Indikator-)Bakterien Escherichia coli und intestinalen Enterokokken basiert, fließen Belastungen durch Blaualgen bislang nur bedingt in die langfristige Einstufung eines Badegewässers ein. „Genau darin liegt das Problem“, so Scheuenstuhl. „Für unseren heimischen Tourismus, Familien, Kinder, ältere Menschen und Hundebesitzer spielt es keine Rolle, ob ein See auf dem Papier als ausgezeichnet gilt. Entscheidend ist, ob dort tatsächlich sicher gebadet werden kann.“

Der Landtagsabgeordnete verweist zudem darauf, dass die vom Landesamt veröffentlichten Zahlen lediglich die als EU-Badestellen ausgewiesenen Gewässer erfassen. Zahlreiche Seen und Weiher, die insbesondere im ländlichen Raum von der Bevölkerung regelmäßig als Badegewässer genutzt werden, finden in dieser Statistik keinerlei Berücksichtigung. „Wenn von 96 Prozent guten oder ausgezeichneten Badeseen gesprochen wird, muss auch klar gesagt werden, dass viele beliebte Badegewässer im ganzen Freistaat überhaupt nicht Teil dieser Bewertung sind.“

Die aktuelle wideraufkommende Diskussion um einzelne Seen zeigt nach Auffassung Scheuenstuhls erneut, dass gesundheitliche Risiken durch Blaualgen stärker berücksichtigt werden müssen. Hohe Temperaturen, Nährstoffeinträge und zunehmende Auswirkungen des Klimawandels begünstigen die Ausbreitung von Cyanobakterien in immer mehr Gewässern. Der Altmühlsee beispielsweise, gehört zu den bedeutendsten und meistgenutzten Bade- und Freizeitgewässern in Scheuenstuhls Heimat Mittelfranken und ist ein touristisches Aushängeschild des Fränkischen Seenlands. „Trotzdem kommt es dort in regelmäßigen Abständen zu Badewarnungen oder Badeverboten wegen Blaualgen, obwohl die offizielle Badegewässerqualität stets als „ausgezeichnet“ eingestuft wird.“, erläutert der Abgeordnete.

Er setzt sich daher weiterhin dafür ein, die Untersuchung auf Cyanobakterien als festen Bestandteil der Qualitätsbewertung von EU-Badestellen zu verankern. Darüber hinaus seien wirksame Maßnahmen zur Verringerung von Nährstoffeinträgen dringend notwendig. Dazu gehören insbesondere eine stärkere Förderung nachhaltiger Landwirtschaft sowie gezielte Gewässerschutzmaßnahmen.

„Wenn ein See wegen Blaualgen gesperrt werden muss, gleichzeitig aber mit einer hervorragenden Wasserqualität beworben wird, sorgt das bei den Bürgerinnen und Bürgern verständlicherweise für Verwirrung. Wir brauchen deshalb eine Bewertung, die die tatsächlichen Risiken für alle Bevölkerungsgruppen vollständig abbildet. Die jahrelange Untätigkeit der Staatsregierung muss ein Ende finden.“, fordert Scheuenstuhl.

„Unsere Seen sind wichtige Orte der Erholung und Lebensqualität. Damit sie diesen Ruf auch künftig verdienen, müssen wir alle relevanten Faktoren der Wasserqualität berücksichtigen – nicht nur diejenigen, die derzeit in die Statistik einfließen“, betont der Landtagsabgeordnete abschließend und kündigt eine Reihe parlamentarischer Anfragen an die Bayerische Staatsregierung an.

Quelle: Harry Scheuenstuhl MdL (SPD)

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