Der Wald – Thema einer Fachkonferenz am Evang. Bildungszentrum Hesselberg

Hesselberg – Die Fachkonferenz „Der Wald – Ressource für Kirche und Gesellschaft“ am Evang. Bildungszentrum Hesselberg lud ein, sich mit der Nutzung des Waldes und seiner Zukunft zu beschäftigen. Es wurde deutlich: auch junge Menschen lassen sich begeistern, daran mitzuwirken. So gelingen beeindruckende Beispiele, wie sich Kinder schon im Kindergarten mit dem Wald befreunden und Jugendliche in Baumpflanzaktionen aktiv und mit großer Freude am Waldumbau beteiligen.

(v.l.n.r.): Alfred Maderer (Forstwirtschaftliche Vereinigung Mittelfran-
ken), Wolfgang Neff (Jugendwerkstatt Langenaltheim), Dr. Gerhard Gronauer (Pfarrer),
Fabian Geissler (Evang. Jugend im Dekanat Cham), Anette Pappler (Jugendwerkstatt
Langenaltheim), Karin Liebald (Kath. Kindergarten Pappenheim), Martin Payer (Amt für
Ländliche Entwicklung Mittelfranken), Dr. Wolfgang Schürger (Beauftragter für Umwelt-
und Klimaverantwortung der ELKB) und Dr. Peter Schlee (Leiter der Fachtagung).
(Foto: C. Marx)

Ein Drittel der Landesfläche Bayerns ist bewaldet und der Wald damit ein prägender Bestandteil der ländlichen Räume, machte der Leiter der Veranstaltung, Dr. Peter Schlee (Evangelische Fachstelle für Ländliche Räume) deutlich. Einen Überblick, wie der Wald in Mittelfranken aussieht, gab Andreas Egl (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach): 57% des Waldes in Mittelfranken sei Privatwald, 27% Staats-
wald und 15% Kommunalwald. Dabei besäße der durchschnittliche Waldbesitzer 2 ha Wald, meist aufgeteilt auf mehrere Flurstücke. Andreas Egl erläuterte, dass sich anhand der Bundeswaldinventur bereits jetzt eine Zunahme der Laubbäume feststellen lasse, während die Nadelbäume (Fichten, aber auch Kiefern) abnehmen. Wolle man den Wald aufforsten, müsse man auf die Baumart achten. Ein wesentlicher Teil des Waldumbaus sollte durch eine natürliche Verjüngung funktionieren, so Andreas Egl.

„Neue Bäume braucht das Land“, hob Egls Kollege Dr. Christian Kölling in seinem Vortrag hervor. Denn: Bäume sind ortsfest, das Klima sei aber in Bewegung. In die Region Nürnberg käme laut Vorhersagen ein Klima, welches heute in der Provence anzutreffen sei. Die bestehenden Wälder passen also nicht zur Klimazukunft. Schon jetzt könne man zu jeder Region eine „Zwillingsregion“ bestimmen. Für die Region Nürnberg bedeute dies: die dort vorhandenen Fichten und Kiefern seien in den Zwillingsregionen nicht vertreten. Dafür gäbe es dort häufig Edelkastanien. Die Lösung von heute für den Wald von morgen sei eine bedachte Anreicherung neuer Bäume, mit minimalem Eingriff in das Bestehende, auf Basis des Vorwissens aus den Zwillingsregionen.

An einem Podiumsgespräch nahmen Alfred Maderer (Forstwirtschaftliche Vereinigung Mittelfranken), Martin Payer (Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken) und Dr. Wolfgang Schürger (Beauftragter für Umwelt- und Klimaverantwortung der Evangelischen Kirche) teil. Es wurde deutlich, dass kleinteilige Strukturen bei der Lösung von Zukunftsfragen hinderlich seien. Die Kollision unterschiedlicher Interessen könne durch den Willen zur Zusammenarbeit gemeistert werden.

Der landeskirchliche Beauftragte für den Kirchlichen Entwicklungsdienst Dr. Jürgen Bergmann (Mission EineWelt) zeigte, dass auch in anderen Ländern Veränderungen nötig seien. So informierte er über den Umbau von Eukalyptus-Monokulturen zu Mischwäldern in Kenia.

Dekanatsjugendreferent Fabian Geissler (Evang. Jugend im Alt-Dekanat Cham) informierte über die Baumpflanzaktion der Evang. Jugend. Angepflanzt werden dabei pro Jahr zwischen 300 und 1.200 meist klimabeständige Laubbäume. Alle Bäume beschaffe der Förster, der auch dafür sorge, dass die Waldfläche für die Pflanzaktion vorbereitet sei und sich um die Auswahl der Waldbesitzer, aber auch der Baumarten kümmere.

Anette Pappler, Leiterin der Jugendwerkstatt Lagenaltheim, zeigte gemeinsam mit Werkstattleiter Wolfgang Neff, wie eine Ausbildung im Forst für Menschen mit erhöhtem Förderbedarf möglich sei. Ziel sei es, durch einen individuellen Ansatz, den Übergang von Schule zu Beruf gezielt bei den Jugendlichen zu begleiten. Dabei werde im Bereich Forst versucht, all das mit den Auszubildenden zu tun, was Förster auch machen.

Wie man Kindergartenkinder für den Wald begeistern kann, erläuterte Karin Liebald, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Martin in Pappenheim. Ziel sei es, den Wald als Lebensgrundlage für Mensch und Tier zu erfahren, globale Zusammenhänge zu erkennen und die sozialen und personalen Kompetenzen der Kinder zu stärken. Karin Liebald teilte ihren Erfahrungsschatz und machte deutlich, wie sich die Neugier der Kinder wecken oder die Scheu vor Tieren abbaue lasse.

Den Abschluss der Tagung bildete der Vortrag von Dr. Gerhard Gronauer über den Wald als religiösen Erfahrungsraum. Drei Elemente christlicher Waldspiritualität hob Gronauer hervor: Wichtig sei erstens die Wahrnehmung des Waldes und das Achten auf die Natur, zweitens den Wald als Raum zu begreifen, in dem man Gott erfahren könne und drittens den Wald als Raum zu nehmen, der durch den Blick in die Natur einen Spiegel der eigenen Seele bieten könne.

Quelle und Bilder: Evang. Bildungszentrum Hesselberg – Dr. Christine Marx

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