Ein Jahr ehrenamtliche Vormundschaften für junge Flüchtlinge – ein Rückblick

Weißenburg – Vor etwa einem Jahr wurden im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen die ersten ehrenamtlichen Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge vergeben. Ein Erfolgsmodell, das überregional für Aufsehen sorgte.

Bilder: Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen

Dabei ist die Arbeit mit den jungen Flüchtlingen nicht immer einfach, wie sich erst wieder beim letzten Austausch der Vormünder herausstellte.

Insgesamt gibt es aktuell noch 23 Ehrenamtliche in der Region, die sich als Vormund um jeweils einen Jugendlichen kümmern. Da das Jugendamt einige mitunter schwierige Fälle jedoch behält, stehen aktuell insgesamt 35 minderjährige Flüchtlinge unter Vormundschaft unseres Landkreises.

Eine aktuelle anonyme Umfrage des Jugendamtes unter den ehrenamtlichen Vormündern ergab interessante Ergebnisse. So fühlen sich fast alle Ehrenamtlichen von Politik und Medien nicht besonders wertgeschätzt. Dennoch würde die Mehrheit die Tätigkeit weiterempfehlen, weil ihnen von den Flüchtlingen ein hohes Maß an Dankbarkeit entgegengebracht wird. Das Engagement beruht vor allem darauf, dass die Ehrenamtlichen Verantwortung übernehmen und die Gesellschaft verbessern wollen. Die Beratung durch das Jugendamt wurde als äußerst positiv empfunden.

Obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist, sein Mündel mindestens einmal im Monat persönlich zu treffen, sehen fast alle Vormünder ihre Schützlinge mindestens alle zwei Wochen, sechs der Vormünder sogar mehrmals pro Woche.

Die Ehrenamtlichen sahen sich immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Waren es zu Beginn der Tätigkeit die Deutschkenntnisse und das Kennenlernen des noch so fremden Menschen, so steht mittlerweile der Übergang von der Schule in Ausbildung oder Arbeit im Vordergrund. Auch das Erreichen der Volljährigkeit stellt einige der Jugendlichen und ihre „Paten“ vor Probleme, denn dann endet meist die Jugendhilfe und die Jugendlichen müssen aus der Rundum-Betreuung eines Heimes heraus in eine Gemeinschaftsunterkunft ohne Betreuung ziehen.

Glücklicherweise bleibt aber trotz Erreichen der Volljährigkeit und damit offizieller Beendigung der Vormundschaft oft eine gewisse Bindung zwischen Ehrenamtlichem und Jugendlichem bestehen, ähnlich einer Patenschaft.

Bei einigen haben sich tiefe Freundschaften entwickelt, eine Familie hat ihr Mündel sogar direkt bei sich aufgenommen, gewissermaßen als neues Familienmitglied.

Andere junge Flüchtlinge haben Glück in den Betrieben, in denen sie Praktika, Einstiegsqualifizierung oder Ausbildung absolvieren und geraten an Chefs, die sich überdurchschnittlich engagieren.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass das Modell der ehrenamtlichen Vormundschaften dazu beiträgt, die Integration der jungen Leute in unsere Gesellschaft deutlich voranzubringen. Es verwundert daher nicht, dass dieses Modell auch überregionales Interesse erregte und andere Jugendämter einen ähnlichen Weg gehen wollen.

Quelle und Bilder: Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen – Sven Hildebrandt

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