Landkreis WUG – Viele Häuser im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen brauchen bald viele Handwerker: Die Wohngebäude sind enorm in die Jahre gekommen. Von den insgesamt rund 45.000 Wohnungen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen sind 56 Prozent schon 45 Jahre oder älter: Rund 25.300 Wohnungen in Altbauten sind damit mehr oder weniger „reif für eine Sanierung“. Das geht aus der aktuellen Analyse zum regionalen Wohnungsbestand hervor, die das Pestel-Institut gemacht hat.

(Foto: Tobias Seifert)
Ein wichtiger Punkt bei dem „Gebäude-Check“: der Energieverbrauch. „Je mehr Geld
Bewohner fürs Heizen und für warmes Wasser ausgeben müssen, desto höher ist der
Druck, das Haus energetisch zu sanieren“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.
Im Fokus der Untersuchung steht deshalb auch die durchschnittlich verbrauchte
Energie pro Quadratmeter Wohnfläche im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen.
„Dabei herausgekommen ist, dass die Wohngebäude im Landkreis Weißenburg-
Gunzenhausen beim Energieverbrauch 1 Prozent pro Quadratmeter über dem
bundesweiten Durchschnitt liegen“, so Matthias Günther. Dazu habe das Pestel-Institut
in seiner Datenanalyse die Struktur der Wohngebäude im Kreis Weißenburg-
Gunzenhausen mit dem Bundesdurchschnitt verglichen. Wichtig sei dabei insbesondere
die Altersstruktur der Wohngebäude. Ebenso der Gebäudetyp – also die Anzahl der Ein-
und Zweifamilienhäuser sowie der Mehrfamilienhäuser.
Der Energieverbrauch fürs Wohnen ist nach Angaben des Pestel-Instituts der
entscheidende Richtwert für die Energiespar-Sanierungen, die in den kommenden
Jahren noch auf den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen zukommen: „Immerhin sei
es das Ziel, den gesamten Gebäudebestand in Deutschland bis 2045 klimaneutral zu
machen. Wenn der Kreis Weißenburg-Gunzenhausen bis dahin klimaneutral wohnen
soll, dann ist es notwendig, bei den Sanierungen in den ‚Turbo-Gang‘ zu schalten“, so
Matthias Günther vom Pestel-Institut, das die Regional-Untersuchung zur Sanierung
von Wohngebäuden im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel
(BDB) gemacht hat.
Für die Hauseigentümer bedeute dies, in die Tasche greifen zu müssen: „Pro Jahr sollte
sich der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen auf rund 197 Millionen Euro
Sanierungskosten einstellen – allein fürs Energiesparen. Und das zwanzig Jahre lang“,
erklärt Matthias Günther. Basis der Berechnungen ist eine bundesweite Studie des
landeseigenen Bauforschungsinstituts „ARGE für zeitgemäßes Wohnen“ in Schleswig-
Holstein.
Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel spricht von einem „Mammut-
Projekt für den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen“. Dessen Präsidentin Katharina
Metzger fordert deshalb jetzt „finanziellen Rückenwind“ für die Eigentümer:
„Entscheidend ist, dass mehr und mehr – gerade private – Hauseigentümer mitziehen.
Vor allem, dass sie sich Sanierungen überhaupt erlauben können. Das klappt nur, wenn
die Politik mehr Anreize schafft: Es ist höchste Zeit, Energiespar-Sanierungen deutlich
besser zu fördern als bislang.“ Auf keinen Fall dürfe Bundeswirtschaftsministerin
Katherina Reiche (CDU) mit ihren Plänen durchkommen, Förderprogramme für die
Sanierung zusammenzustreichen – und das um mehr als 3 Milliarden Euro.
An die Adresse der Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Weißenburg-
Gunzenhausen und der Region appelliert der Baustoff-Fachhandel, sich in Berlin für
einen „Push bei der Gebäudesanierung“ stark zu machen: „Altbau-Sanierungen würden
helfen, Jobs auf dem Bau im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen zu sichern. Denn die
Wohnungsbaukrise wird von Tag zu Tag schlimmer“, so BDB-Präsidentin Katharina
Metzger.
Der Wohnungsbau sei wie gelähmt: Zwar habe Bundesbauministerin Verena Hubertz
(SPD) versprochen, dass „die Bagger auch wieder rollen“. „Doch auf den
versprochenen Neubau-Turbo warten der Kreis Weißenburg-Gunzenhausen und
Bayern immer noch. Die Wohnungsbaukrise geht weiter. Dem Bau rutschen die
Kapazitäten weg: Bauarbeiter verlieren ihre Arbeit. Betriebe machen dicht. Diese Bau-
Spirale nach unten muss vor allem der Bund jetzt dringend stoppen: Er muss die
Konjunktur-Notbremse für den Bau ziehen“, fordert Katharina Metzger. Gerade das
Ankurbeln von Sanierungen und Modernisierungen gebe dem Bau einen wichtigen
Schub, den dieser dringend brauche.
Im Fokus muss dabei das Energiesparen stehen, so das Pestel-Institut. „Um Heizkosten
zu senken, sind die Dachdämmung, neue Isolierfenster und Wärmepumpen das A und
O. Dabei ist es bei einem alten Dach nicht so entscheidend, ob drei Zentimeter mehr
oder weniger an Dämmung zwischen die Sparren passen. Hauptsache, ab der obersten
Geschossdecke passiert überhaupt etwas“, sagt Institutsleiter Günther.
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Wenn sich Eigentümer entschließen, Handwerker ins Haus zu holen, dann biete es sich
an, möglichst umfassend zu sanieren: „Wenn Dach und Fassade gemacht werden
müssen, dann ist es natürlich günstiger, das Gerüst nur einmal aufbauen zu müssen“,
rät Katharina Metzger vom Bundesverband des Baustoff-Fachhandels.
Es sei oft effektiver und unterm Strich in der Regel auch günstiger, möglichst viel in
einem Rutsch zu machen: „Also lieber im Rundumschlag sanieren als Stück für Stück
über Jahre verteilt. Das ist natürlich immer auch eine Frage des Portemonnaies“, so
Katharina Metzger. Es lohne sich aber, mit Handwerksbetrieben darüber zu sprechen
und ein Sanierungskonzept zu machen. Und wenn doch in Schritten saniert werde,
dann in der richtigen Reihenfolge: „Erst die Häuser energetisch fit machen – also
dämmen. Dann die Wärmepumpe“, so Metzger.
Neben der energetischen Sanierung biete sich vor allem auch der altersgerechte
Umbau an, um Seniorenwohnungen zu schaffen. „Wer ein eigenes Haus oder eine
Eigentumswohnung hat, sollte rechtzeitig dafür sorgen, dass er in den eigenen vier
Wänden auch alt werden kann“, rät Katharina Metzger.
Quelle: Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB)
Artikelbild: Nils Hillebrand
