Gunzenhausen aus der Adler-Perspektive

Gunzenhausen – Los ging es mit den Ortsporträts aus der Vogelperspektive mit den Zeppelin-Überflügen über Gunzenhausen in den Jahren 1909 und 1920. Später drehten regelmäßig professionelle Luftbild-Fotografen über der Stadt und ihren Ortsteilen ihre Kreise: Bis zum 21. Januar 2022 sind in der Stadt- und Schulbücherei Gunzenhausen Luftaufnahmen von Gunzenhausens Altstadt, der Ostvorstadt, der Südstadt und vielen anderen Stadtvierteln sowie den Ortsteilen Unterwurmbach, Aha, Schlungenhof, Laubenzedel und Oberasbach zu sehen.

Kennt die Ostvorstadt aus seiner Kindheit gut – Bürgermeister Karl-
Heinz Fitz mit den Ausstellungsmachern Werner Mühlhäußer und Babett Guthmann.
(Foto: Stadt Gunzenhausen)

Für die Ausstellung hat Stadtarchivar Werner Mühlhäußer 125 eindrucksvolle Fotografien und Postkarten aus seiner Sammlung ausgewählt, die auch die Stadtentwicklung dokumentieren: Vom bäuerlich geprägten und von Altmühl-Überschwemmungen geplagten Landstädtchen zur prosperierenden Stadt mit wie Pilze aus dem Boden schießenden Industriebetrieben in den 1960ern und 1970ern. Bei der Konzeption und Zusammenstellung der Ausstellungen haben Büchereiteam und Stadtarchiv Hand in Hand gearbeitet: Werner Mühlhäußer und Babett Guthmann haben gemeinsam an den Bildtexten gearbeitet, Ulrike Zatschker hat bei Bildauswahl und der Gestaltung der Rahmen mitgewirkt und Ulrike Engelhardt hat die Scans bearbeitet.

Bei der Ausstellungseröffnung machte sich Bürgermeister Karl-Heinz Fitz gemeinsam mit den Initiatoren der Ausstellung Stadtarchivar Werner Mühlhäußer und Büchereileiterin Babett Guthmann auf Spurensuche: Er kennt Gunzenhausen, insbesondere Frickenfelden und die Ostvorstadt als sein „Kindheitsrevier“ und kann sich an die ein oder andere große Fußballwiese, auf der heute Siedlungshäuser stehen, oder an die großen Baugruben in der Industriestraße lebhaft erinnern.

So wie dem Bürgermeister geht es nach der Erfahrung aus den ersten Öffnungstagen vielen Besucherinnen und Besuchern: Manchmal verliert man auf den alten Luftaufnahmen fast die Orientierung so viel hat sich verändert, manchmal bieten altehrwürdige Gebäude einen festen Ankerpunkt. Erstaunlich sind beispielsweise Aufnahmen aus den 1960ern, in denen zwischen Gunzenhausen und Frickenfelden noch viel Wiese und Ackerland lag. Schöne Kindheitserinnerungen verbinden viele mit den Aufnahmen vom Höhbad. In der Weißenburger Straße gab es in den 1950ern mehr Wirtshäuser als in jeder anderen Straße der Stadt und allerhand Gärtnereibetriebe und Kleingärten.

Einen großen Sprung machte Gunzenhausen mit dem Industriegebiet in der Ostvorstadt. Zunächst stand das Gebäude der Deutschen-Angelgeräte-Manufaktur allein auf weiter Flur, dann schlossen sich innerhalb weniger Jahre die Baulücken. Parallel schritt der Siedlungsbau voran: Der Spitalwald wurde gerodet und statt Kiefern entstanden Hochhäuser, Reihenhaussträßchen und Doppelhäuser mit kleinen Hausgärten. In der Südstadt ging das Wachstum der Stadt etwas gemächlicher voran, aber auch hier wurden der Landwirtschaft immer mehr Flächen abgezwackt und zu Baugebieten umgewidmet. Eindrucksvolles Beispiel dieses Wachstums ist auch die alte „Stadtrandsiedlung“ aus den frühen 1930er Jahren: Eigentlich waren dies nur ein paar Häuserzeilen am Waldrand, doch dann startete der Bauboom und Gunzenhausen und Frickenfelden wuchsen schnell zusammen.

Zwei historische Momente hat Stadtarchivar Werner Mühlhäußer bei der Ausstellung in den Fokus genommen. Da ist einmal der erste Überflug des Zeppelin-Luftschiffs „Bodensee“ auf seinem Weg nach Berlin über Gunzenhausen, bei dem es übrigens eine bemerkenswerte Panne gab: Das 120 Meter lange Flugobjekt musste in Gnotzheim auf einer Wiese außerplanmäßig landen und Wasservorräte auffüllen. Gezeigt wird in der Ausstellung eine Postkarte vom Überflug, auf der der Schreiber handschriftlich „Notlandung bei Gnotzheim“ eingefügt hat.

Luftaufnahmen der US-Armee gibt es zu den beiden Luftangriffen am 16. und 17. April 1945 auf Gunzenhausen. Der erste Bomber-Angriff sollten maßgeblich die Bahnanlagen treffen, allerdings wurden auch zahlreiche Gebäude entlang der Hensoltstraße, der Nürnberger Straße und der Bahnhofsstraße zerstört oder beschädigt. An diesem Tag gab es 141zivile Opfer durch die Zerstörung des „Brauns-Keller“, der als Luftschutzkeller von der Zivilbevölkerung genutzt wurde. Einen Tag später kamen die Bomber nach Gunzenhausen zurück, um die am Tag zuvor vergessene „Muna“ (Munitionsanstalt) im Bereich der heutigen Industriestraße dem Erdboden gleichzumachen.

Der Blick aus der Adler-Perspektive illustriert nicht nur historische Ereignisse und wichtige Schritte der Stadtentwicklung, die Ausstellung kann auch eigene Erinnerungen wachrufen. Unweigerlich zieht es die Besucherinnen und Besucher zu den Bildern aus dem eigenen Quartier. So hoffen Büchereiteam und Stadtarchivar, mit der Auswahl, möglichst vielen Interessierten etwas Neues und Überraschendes zu bieten.

Im kommenden Jahr ist das Erscheinen einer umfangreichen Broschüre zur Ausstellung „Gunzenhausen von oben“ geplant. Um die Sammlung des Stadtarchivs zu komplettieren sucht Stadtarchivar Werner Mühlhäußer noch nach weiteren historischen Luftaufnahmen aus den einzelnen Stadtvierteln und aus den heutigen Ortsteilen Gunzenhausens. Kontakt unter 09831/508135.

Die Ausstellung „Gunzenhausen von oben – Historische Aufnahmen aus der Sammlung des Stadtarchivs“ ist bis zum 21. Januar 2022 zu den Öffnungszeiten der Stadt- und Schulbücherei zu sehen (Dienstag, Donnerstag, Freitag von 11-18 Uhr, Mittwoch 11-20 Uhr und Samstag 10-13 Uhr).

Quelle: Stadt Gunzenhausen – Manuel Grosser

Artikelbild: Aus dem Jahr 1956 stammt dieses Luftbild, das die Weißenburger
Straße und die ersten Häuser in der Schmalespanstraße zeigt. Man sieht noch viel freies
Gelände in Richtung Austraße. (Foto: Stadtarchiv Gunzenhausen)

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