Hilfe für Insekten – Paten für Blühflächen gesucht!

Treuchtlingen – Das Informationszentrum Naturpark Altmühltal der Stadt Treuchtlingen wird 2021 für mehr Biodiversität in Treuchtlingen und seinen Ortsteilen sorgen und insektenfreundliche Pflegepläne
für die städtischen Grünanlagen erarbeiten.

Mit Blühflächen das leise Insektensterben reduzieren.
(Bildnachweis: Informationszentrum Treuchtlingen)

Das Treuchtlinger Naturpark Informationszentrum unterstützt im Jahre 2021 Bürger und Institutionen,
die für mehr Blühen in Stadt und Landschaft sorgen wollen.
Darüber hinaus wurden in vielen Treuchtlinger Ortsteilen bereits Referenzflächen ausgesucht, die in
diesem Jahr später gemäht und insektenfreundlich bewirtschaftet werden. In Graben und Möhren
haben die Mitglieder der Gartenbauvereine Flächen umgebrochen und mit regionalem Saatgut
eingesät. (Wir berichteten) Hier werden in den nächsten Jahren blühende Areale entstehen, die Nektar
und Pollen für unsere heimischen Insekten liefern.

Fakten und Hintergründe:

In Deutschland leben ca. 580 Wildbienenarten. In Bayern sind knapp 520 Arten heimisch.
Etwa 64% aller in Bayern lebenden Wildbienenarten gelten als gefährdet. (Quelle: BN Bayern)
Es ist also an der Zeit etwas gegen dieses leise Artensterben zu tun.

Insekten brauchen Menschen, Menschen brauchen Insekten!

Insekten brauchen zum Überleben vor allem Nektar und Pollen, den sie in Blüten sammeln.
Gleichzeitig bestäuben sie dabei die Blüten und sorgen so für reiche Erträge, die auch für uns
Menschen wichtig sind. Denn wir nutzen in Deutschland 2.000 – 3.000 heimischen Nutz- und
Wildpflanzen für unsere menschliche Ernährung. Etwa 80% davon werden von Bienen bestäubt.
Geschieht dies nicht, drohen z.B. bei Obstsorten wie Apfel, Birne, Kirsche oder Pflaumen und vielen
weiteren pflanzlichen Lebensmitteln extreme Ernte-Ausfälle.

Welch gigantische Leistung unsere heimischen Insekten vollbringen, zeigen Untersuchungen an
Honigbienen. Deren Honigblase fasst ca. 20 mg Nektar. Um sie zu füllen sind mindestens 100
Blütenbesuche nötig. Die Biene legt dabei eine Strecke von ca. 1 Kilometer zurück.
Für ein 500g Glas Honig fliegen Bienen ca. zweimal um die Erde. Sie besuchen dabei etwa 7,5 Millionen
Blüten. Gleichzeitig sorgen sie damit auch für einen Großteil unserer Ernten und somit für unsere
Ernährung.
Ohne Bienen gibt es keine vitaminreiche Ernährung, keine bunten Wiesen und kein
abwechslungsreiches Futter für unsere Nutztiere.

Besonders dramatisch ist die Lage unserer heimischen Wildbienen, da oft nicht das ganze Jahr über
vielfältige Blüten zur Verfügung stehen. Durch das Anlegen von blühenden Wiesen, Heckenzeilen und
Streuobstwiesen können wir deren Überleben unterstützen. Hierbei sind auch aber auch der Verzicht
auf Pestizide und die insektenfreundliche Bewirtschaftung wichtig.

Paten für Blühflächen gesucht

Das Treuchtlinger Informationszentrum erarbeitet deshalb im Rahmen eines vom Umweltministerium
geförderten Projektes erste Umstellungen bei der Pflege der städtischen Grünanlagen. Ziel ist die
Entwicklung eines neuen Pflegeplans für die Stadt, bei dem auch der Bauhof, das Bauamt und die
Untere Naturschutzbehörde mitarbeiten. Es geht dabei darum, die Pflege einiger städtischen
Grünflächen so zu gestalten, dass heimische Insekten eine Überlebenschance bekommen. Gleichzeitig
werden im Projekt auch die verwendeten Mähgeräte festgelegt und der zur Pflege nötige Aufwand
erfasst.

In einem ersten Schritt wurden in den letzten Wochen gemeinsam mit den Ortssprechern vieler
Treuchtlinger Ortsteile Pilotflächen ausgewählt.

Diejenigen Flächen, auf denen noch heimische Blütenpflanzen vorhanden sind, werden 2021 erst nach
dem 16. Juni gemäht. Sie haben dadurch Zeit zum Blühen und Samen bilden.

Einige Grünflächen wurden und werden umgebrochen. Umgebrochen werden allerdings nur Flächen,
auf denen fast nur noch Gras wächst. Auf diesen Flächen wird zertifiziertes, regionales Saatgut
ausgebracht, das im Rahmen des Projektes vom Informationszentrum beschafft wurde. Die
ausgebrachten Mischungen enthalten Saatgut von ca. 40 heimischen Blütenpflanzen, die so auch
Nektar und Pollen für unsere heimischen Insekten liefern können. Gemeinsam mit Gartenbauvereinen,
aber auch engagierten Einzelpersonen und Gruppen wurden und werden die Flächen vorbereitet und
eingesät. Viele von ihnen übernehmen danach auch die spätere insektenfreundliche Pflege der
Wiesen. Die Anleitung dazu erfolgt von den Mitarbeitern des Naturpark Informationszentrums.

Darüber hinaus sucht die Stadt Treuchtlingen weitere Blühflächen mit Paten, die die insektenfreundliche Pflege einer Blühfläche vor Ort übernehmen möchten. Blühen können auch
Baumscheiben, kleine Staudenbeete unserer öffentlichen Grünanlagen sowie Weg- oder Straßenraine.
Wer die Pflege einer solchen Fläche in seiner Nachbarschaft übernehmen möchte oder Hilfe bei der
Anlage einer blühenden Fläche benötigt, kann sich unter der Telefonnummer 09142 9600-64 gern mit
dem Naturpark Informationszentrum Treuchtlingen in Verbindung setzen.

Auf den bereits feststehenden ersten Pilotflächen werden in den nächsten Tagen vom Naturpark
Informationszentrum erste Info-Pulte aufgestellt, um auf das Projekt aufmerksam zu machen.

Informationen zur Umstellung und Pflege insektenfreundlicher Wiesen können telefonisch unter 09142
9600-64 oder per Mail unter infozentrum@treuchtlingen.de bestellt werden.

Quelle: Stadt Treuchtlingen – Marina Stoll

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