Ländliche Räume – attraktiv durch Ehrenamt?

Hesselberg – Die Frage nach der Bedeutung ehrenamtlichen Engagements für die Attraktivität ländlicher Räume stand im Mittelpunkt einer Online-Abendveranstaltung mit der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für das Ehrenamt und Landtagsabgeordneten Gabi Schmidt.

Eingeladen hatten die auf dem mittelfränkischen Hesselberg angesiedelte Evangelische Fachstelle
für Ländliche Räume sowie der Unterausschuss Ländliche Räume der Landessynode der Evangelischen Kirche.

Nach der Begrüßung durch Petra Heeb, der Vorsitzenden des Unterausschusses für Ländliche Räume, führten Barbara Gruß, Referentin Förderung Ehrenamt der „Wirkstatt evangelisch“ und Gabi Schmidt in das Thema ein. Letztere brachte als „Kind des Ehrenamts“ mit Wurzeln in einer ländlichen Umgebung sowohl politische als auch persönliche Einblicke in die Herausforderungen und Chancen ehrenamtlicher Arbeit mit.

Ein zentrales Thema des Abends war der Unterschied zwischen ehrenamtlichem Engagement in städtischen und ländlichen Räumen. „Während sich Ehrenamt in Städten oft kurzfristiger und projektbezogen gestaltet, ist es auf dem Land tief in das soziale Gefüge integriert. Hier gehört ehrenamtliches Engagement zur Gemeinschaft – wer sich nicht beteiligt, läuft Gefahr, als Außenseiter wahrgenommen zu werden“, erläuterte Schmidt.

Besondere Chancen bietet das Ehrenamt im kirchlichen Bereich. Kirchengemeinden sind informiert über Zuzüge und können so direkt auf Neuankömmlinge zugehen. Wichtig sei es, eine stärkere Willkommenskultur zu etablieren und gezielte Begrüßungsinitiativen zu fördern. Zudem gelte es, die zahlreichen unerkannten Ehrenamtsbereiche sichtbarer zu machen – beispielsweise durch kommunale Mitteilungsblätter oder Online-Plattformen. „Gerade junge Menschen seien sich häufig nicht bewusst, welche Mitgestaltungsmöglichkeiten ihnen offenstehen“, so Schmidt. Ein weiteres Anliegen war die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Kirche, Kommunen und Gesellschaft. Beispielsweise wird in Lohr am Main ein langjähriges ehrenamtliches Engagement – auch im kirchlichen Bereich – durch die Stadt gewürdigt. Solche Initiativen tragen wesentlich zur
Anerkennung und Sichtbarkeit des Ehrenamts bei.

Die gut besuchte Veranstaltung bildete den Abschluss einer Veranstaltungsreihe und machte deutlich: Um das Ehrenamt in ländlichen Räumen nachhaltig attraktiv zu halten, bedarf es proaktiver Maßnahmen und gezielter Unterstützung. Ehrenamt ist weit mehr als eine freiwillige Tätigkeit – es ist ein zentraler Pfeiler des gesellschaftlichen Zusammenhalts. „Die Kirche hat dabei größten Spielraum, denn Christen engagieren sich nicht nur in kirchlichen, sondern auch in zahlreichen nichtkirchlichen Ehrenämtern und gestalten aktiv mit“, fasste Gabi Schmidt zusammen.

Quelle: EBZ Hesselberg – Dr. Christine Marx

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert