Online-Fachgespräch der SPD zum Thema „Bildung unter Coronabedingungen“

Gunzenhausen – SPD-Bundestagskandidat Harry Scheuenstuhl lud zu einem Online-Fachgespräch zum Thema „Bildung unter Coronabedingungen“. Als Expertin auf diesem Gebiet konnte er Dr. Simone Strohmayr (MdL), bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, gewinnen. Darüber hinaus beteiligten sich Lehrkräfte, Elternvertreter, Gewerkschafter und SPD-Kommunalpolitikerinnen.

Bild: SPD Weißenburg-Gunzenhausen – Hari Dösel

In seiner Begrüßung ging Harry Scheuenstuhl auf die schwierige Situation von Schulkindern  ein. Viele Schüler hätten seit Monaten die Schule nicht mehr von innen gesehen: „Das war und ist eine enorme Belastung für Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien.“

Simone  Strohmayr berichtete darüber, dass im Landtag bildungspolitische Fragen derzeit heftig und teils auch kontrovers diskutiert würden. Dies sei auch kein Wunder, denn „wie in einem Brennglas werden nun gerade in diesem Bereich viele Probleme sichtbar, die schon zuvor im Bereich der Schulen existierten“, so Strohmeyer.

Für Unverständnis und Unmut habe dabei in den Reihen der SPD-Fraktion vor allem gesorgt, dass es innerhalb eines Jahres nicht möglich gewesen ist, die Schulen coronafest zu machen. So gebe es an bayerischen Schulen kaum Luftfilteranlagen und die digitale Ausstattung sei teils immer noch defizitär. Dabei wäre es aus Sicht der Sozialdemokratin wichtig, dass gerade die digitalen Endgeräte, die nicht zuletzt auch für den Distanzunterricht von großer Bedeutung sind, zur Grundausstattung von Schülern gehören: „Die Geräte gehören in die Lernmittelfreiheit aufgenommen“, forderte Strohmeyer.

In der intensiv geführten Diskussion kristallisierte sich schnell eine zentrale Frage heraus: Was tun mit diesem Schuljahr? Harald Dösel, Lehrer an der Fachoberschule Triesdorf und  Mitglied im Kreisvorstand der Bildungsgewerkschaft GEW verwies darauf, dass zwar manche Kinder im Distanz- und Wechselunterricht durchaus gelernt haben, sich selbst zu strukturieren, aber vielen sei das eben auch mangels Unterstützung nicht gelungen. Auch habe das einseitig an schriftlichen Prüfungen ausgerichtete bayerische Schulsystem in der Vergangenheit falsche Schwerpunkte und zu wenig auf das selbst organisierte und individuelle Lernen von Schülern gesetzt. Die eine Milliarde, die nun vonseiten des Bundes direkt in die Bildung fließen soll, hält er nur für einen ersten Schritt. „Hier ist nun dringend auch der Freistaat in der Pflicht, noch kräftig etwas oben draufzulegen. Denn Bayern bekommt umgerechnet etwa 150 Mio. Euro aus diesem Topf, das reicht gerade einmal für ein paar Nachhilfeeinheiten pro bayerischem Schüler“.

Einig war sich die Diskussionsrunde darin, dass nun, da die Klassen in den nächsten Wochen wieder langsam in die Schulen zurückkehren werden, nicht das Nachholen von Schulaufgaben, Kurzarbeiten und Stegreifaufgaben oder Proben im Vordergrund stehen dürfte. Stattdessen forderte Simone Strohmayr umfassende Leistungsstanderhebungen in allen Jahrgangsstufen und auf dieser Grundlage dann konkrete individuelle Lernpläne für die Schüler. „Hier bedarf es zur Unterstützung der Schulen auch einer breit angelegten Hilfe vonseiten der bayerischen Hochschulen, in die auch Lehramtsstudierende gut eingebunden werden könnten“, so Strohmayr.

Die Stellvertretende Schulleiterin der Mittelschule an der Luitpoldschule Ansbach, Jenny Weid, beklagte, dass es seitens der Politik  für die Schulen keinen verlässlichen Rahmen gebe. So würde ihre Schule gerade einmal über 25 Leihgeräte für Schüler verfügen, die mühsam zusammengesammelt werden mussten. Zudem mangele es noch immer an einer stabilen Internetverbindung. Und für sie besonders bedrückend: „Viele Kinder aus Migrantenfamilien sowie Kinder und Jugendliche, die in Asylunterkünften leben, haben im Distanzunterricht besondere schwierige Lernbedingungen.“ Hinzu komme, dass es auch für die Lehrkräfte eine enorme Belastung darstelle, den Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht zu stemmen: „Gerade Kinder aus sozial benachteiligten Familien müssen vor allem auch online besonders eng betreut werden bei der Bewältigung ihrer schulischen Aufgaben.“

Das nahm Bianca Bauer, SPD-Ortsvereins- und Stadtratsfraktionsvorsitzende in Gunzenhausen zum Anlass, den vielen engagierten Lehrkräften zu danken: „Aus eigener Erfahrung als Mutter weiß ich, dass diese oft rund um die Uhr zur Verfügung stehen, um Fragen der Schüler digital zu beantworten und Hilfestellung zu geben.“ Zudem sieht sie gerade auch im beruflichen Schulwesen Defizite im Bereich der praktischen Ausbildung, die unter Coronabedingungen stark eingeschränkt ist. Als problematisch sieht sie, dass in den anstehenden Abschlussprüfungen dennoch praktische Bestandteile geprüft werden müssten.

Michael Kittelberger aus Ansbach, Lehrer an der Wirtschaftsschule Dinkelsbühl verwies auf gute Erfahrungen mit der Online-Plattform Microsoft Teams. Aus seiner Sicht wäre es sehr schade, wenn das digitale Unterrichtstool in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stünde: „Der Freistaat arbeitet zwar derzeit an einer datenschutzrechtlich unproblematischeren Plattform für Videokonferenzen, fraglich ist hier aber, ob diese auch alle wesentlichen Anwendungen von Teams beinhaltet.“

Die SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzende in Wassertrüdingen Katharina Bucher, die beruflich als Beraterin für Schulbauten arbeitet, betonte, dass für eine moderne Pädagogik im Bereich der Schularchitektur und Ausstattung flexiblere Formen wichtig seien. So könnten auch schwierige Situationen, wie etwa die Integration einer großen Zahl Geflüchteter in das Schulsystem oder Krisen wie die gegenwärtige Corona-Pandemie besser bewältigt werden: „Moderner Schulbau kann je nach konkretem Raumbedarf angepasst werden und würde auch viel besser zu freieren und individuelleren Lernformen passen.“

Melanie Plevka aus Zirndorf, stellvertretende Vorsitzende des Landeselternverbandes Bayerischer Realschulen e. V., bemängelte, dass sich beinahe wöchentlich die Vorschriften und Rahmenbedingungen für die Schulen, Lehrkräfte, Eltern und Schüler ändern würden. „Sowohl die Schulen als auch die Familien bräuchten eine längere Vorlaufzeit, um sich beispielsweise von Distanz- auf Wechselunterricht und umgekehrt einstellen zu können“.

Diesen Punkt griff Simone Strohmayr am Ende dankbar auf und betonte auch ihrerseits: „Die Kommunikation zwischen dem bayerischen Kultusministerium und den Schulen war in den letzten Wochen und Monaten nicht optimal. Das muss dringend besser werden.“

Quelle und Bild: SPD Unterbezirk Ansbach Hari Dösel – Anette Lederhos-Fay

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