Premiere von „Verrücktes Blut“ war ein großer Erfolg für den Start der Altmühlseefestspiele in die neue Spielzeit

Muhr am See – Die erste Premiere der diesjährigen Spielzeit mit dem Stück „Verrücktes Blut“ erwies sich als voller Erfolg beim Publikum der Altmühlseefestspiele. Das Premierenpublikum mit zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und dem öffentlichen Leben zeigte sich begeistert von der Interpretation des Films „La Journée de la Jupe“ von Jean-Paul Lilienfeld durch den Regisseur Philip Jescheck.

Die Akteure bedankten sich beim Publikum für den lang anhaltenden Applaus

Das Stück handelt von einer konfliktgeladenen Schulklasse und spielt mit den Klischees, aber auch den Wahrheiten von muslimischen Macho-Jungs und vermeintlich unterwürfigen Kopftuchmädchen; sie spielt zugleich mit Schiller, mit den einst revolutionären deutschen Bildungsidealen und den Absurditäten einer heutigen Leitkultur.

Eine Lehrerin bekommt eines Tages eine einzigartige Chance: Sie versucht ihren disziplinlosen Schülern gerade mit „Die Räuber“ Friedrich Schillers idealistische Vorstellungen vom Menschen nahe zu bringen, als ihr eine Pistole in die Hände fällt, eine echte! Kurz zögert sie, dann nimmt sie ihre Schüler als Geiseln und zwingt sie mit vorgehaltener Waffe, auf die Schulbühne zu treten und zu spielen.

Mit dieser Geiselnahme beginnt ein abgründiger Tanz der Genres vom Thriller über die Komödie zum Melodram und die lustvolle Dekonstruktion aller vermeintlich klaren Identitäten.

Philip Jescheck schaffte es, die Absurditäten der bestehenden Rollenvorstellungen der heutigen Jugendlichen die mit einem Migrationshintergrund versehen sind und sich in vielen Schulklassen als Problemschüler präsentieren darzustellen. Er zeigte dabei in einer sehr einfühlsamen aber auch humorvollen Art auf, dass die jungen Menschen lediglich ihre persönlichen Ängste und Unsicherheiten in einer kulturell für sie fremden Welt in diesem Imponiergehabe verstecken. Die jungen Schauspieler wirken dabei sehr authentisch und bringen diese Gefühlswellen sehr glaubhaft für das Publikum über den Bühnenrand.

Durch die Geiselnahme zeigte sich bei den jugendlichen zum Ende des Stückes eine überraschende Wandlung indem sie den Haupträdelsführer Hakim in einer demokratischen Abstimmung frei sprechen und zu der Erkenntnis gelangen, dass Gewalt keine Lösung von Problemen ist und jeder Mensch eine zweite Chance verdient hat.

In seinem Abschlussprogramm kam Younes Tissinte als Hasan zu der Frage wie viele Erfolgskanaken die Gesellschaft eigentlich verträgt. Er stellte fest, dass sich nach der Theateraufführung für die Jugendlichen nichts ändern wird und viele Stellen mit Menschen mit Migrationshintergrund nur als moralisches Feigenblatt der Gesellschaft herausragende Funktionen erhalten.

Christina Schmiedel überzeugte in ihrer Rolle als Lehrerin Sonia Kelich und zeigte die Gefühlsschwankungen beim Umgang und dem Versuch Hilfestellungen zu geben gegenüber problematisch veranlagten Jugendlichen sehr drastisch auf.

Die Darsteller zeigten die bestehenden gesellschaftlichen Konflikte zwischen den in Deutschland lebenden Kulturen in einer sehr drastischen Art und Weise, die immer wieder sowohl zum Nachdenken als auch zum Schmunzeln und Lachen anregte auf und überzeugten durch ihre authentische Spielweise die sie trotz ihrer Jugend vermitteln konnten. Das Premierenpublikum dankte es ihnen mit langanhaltendem Applaus und verließ sichtlich bewegt die schauspielerische Spielstätte. Bei diesen Leistungen der Schauspieler und des ganzen Teams um Intendant Harald Molocher darf man schon auf die weiteren Stücke gespannt sein. Es war ein Stück dass keiner vergessen wird und für jeden Theaterbesucher eine Empfehlung wert ist.

Weitere Bilder von der Premiere finden Sie auf unserer Facebookseite altmuehlfranken.online. 

(KH)

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