Tag der Mission auf der Hensoltshöhe

Gunzenhausen – Rund 250 Besucher kamen am ersten Februar-Sonntag im Bethelsaal der Stiftung Hensoltshöhe zum diesjährigen Tag der Mission zusammen. Unter dem Leitgedanken „Mission im Gegenwind“ ging es um die Frage, wie christlicher Glaube heute gelebt und weitergegeben werden kann – weltweit und vor der eigenen Haustür. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Gnadauer Posaunenchor sowie einem Hensoltshöher Singteam unter der Leitung von Michael Gundlach.

An den 15 Ständen der Missionswerke-Ausstellung informierten sich die interessierten Besucher über aktuelle missionarische Anliegen und Projekte. (Foto: Helge Halmen)
„Ich schäme mich des Evangeliums nicht“

Im Mittelpunkt des Vormittags stand der Gottesdienst mit der Predigt von Markus Schanz, Pfarrer der Kirchengemeinde Flein bei Heilbronn und Geschäftsführer des Kinderheims Nethanja Narsapur e. V., Indien. Ausgehend von Römer 1,16 – „Ich schäme mich des Evangeliums nicht“ – stellte er die Frage nach dem persönlichen Mut zum Glauben. Bereits zur Zeit des Paulus sei es keine Selbstverständlichkeit gewesen, offen Christ zu sein. Diese Spannung ziehe sich bis heute durch die Geschichte der Kirche – wenn auch unter sehr unterschiedlichen Vorzeichen. Am Beispiel seiner Arbeit in Indien schilderte er, wie dieser Gegenwind konkret aussieht: Christinnen und Christen seien dort gesellschaftlichem und staatlichem Druck ausgesetzt; in einzelnen Fällen würden Kirchen verwüstet, weil christliche Gemeinden als Provokation wahrgenommen würden. Manche indischen Christen seien darüber hinaus oft durch ihre selbstgewählte Namensänderung zu erkennen und erleben dadurch Anfeindungen. Trotz solcher Erfahrungen habe er vor Ort eine beeindruckende Glaubensfreude erlebt – etwa bei einer Weihnachtsfeier, die selbst nach Übergriffen mit großer Zuversicht begangen wurde. Demgegenüber erleben Christen in Deutschland eher harmlosen Gegenwind wie Zurückhaltung, Anpassungsdruck oder Gleichgültigkeit. Schanz ermutigte vor diesem Hintergrund dazu, den eigenen Glauben nicht zu verstecken, sondern verantwortungsvoll und offen zu leben: „Denn wenn wir Mut haben, bekommen auch andere Mut.“

Im Anschluss berichtete der Gunzenhäuser Dekan Christian Aschoff von der Partnerschaft mit der lutherischen Kirche in Malaysia. Diese ist aus missionarischer Arbeit in chinesischen Dörfern hervorgegangen und wird heute eigenständig von einheimischen Christen getragen. Trotz rechtlicher Einschränkungen wächst die Kirche weiter und baut insbesondere unter indigenen Bevölkerungsgruppen Gemeinden auf. Die Partnerschaft mit Gunzenhausen lebt von gegenseitigen Besuchen, Volontariaten und persönlichen Begegnungen.

Anschließend stellte Bernhard Möck die Arbeit der DIPM (Deutsche Indianer Pionier Mission) in Brasilien vor. In einem Trainingszentrum werden indigene Christen nicht nur biblisch-theologisch geschult, sondern ganz praktisch ausgebildet – etwa in Landwirtschaft, Bauhandwerk oder im Umgang mit Maschinen. Ziel ist es, dass sie selbst Verantwortung in Gemeinden und sozialen Projekten übernehmen. Angesichts von zerbrochenen Familien und Drogenproblemen vor Ort gehört auch ein Rehabilitationsangebot zur Arbeit.

Mission im Gegenwind – Herausforderungen und Chancen

Im Hauptreferat am Nachmittag vertiefte Pfarrer Markus Schanz das Tagesthema. Dabei machte er deutlich: Gegenwind gehört von Anfang an zur christlichen Mission. Er ist kein Randphänomen, sondern ein Grundmuster christlicher Mission – beginnend bei Jesus selbst und fortgesetzt in der Geschichte der Kirche. Mission bedeute daher nicht, günstige Bedingungen abzuwarten, sondern sich senden zu lassen, auch wenn Widerstand, Missverständnisse oder Ablehnung zu erwarten sind.

Schanz unterschied zwischen offenem, teils gewaltsamem Gegenwind in manchen Ländern und einem eher stillen Gegenwind bei uns in Deutschland. Dieser äußere sich weniger in Verfolgung als in Bedeutungsverlust des Glaubens und der Versuchung, sich zurückzuziehen oder den Glauben auf den privaten Raum zu beschränken. Gleichzeitig betonte er, dass solcher Gegenwind auch klärend wirken könne: Er mache abhängig von Gott statt von äußeren Sicherheiten und fordere zu einer bewussten, glaubwürdigen Haltung heraus.
Abschließend verdeutlichte Schanz, dass Mission im Gegenwind weder mit Macht noch mit Anpassung geschehen dürfe, sondern mit Klugheit, Wahrhaftigkeit und Respekt. Ein glaubwürdiges christliches Zeugnis entstehe dort, wo Menschen authentisch leben, Verantwortung übernehmen und sich im Vertrauen auf Gottes Wirken senden lassen.

Einblicke in weltweite Missionsarbeit

Gegenwind-Erfahrungen wurden auch in einem Podiumsgespräch mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Missionswerke eingeordnet und vertieft. Jan-Pierre van Rooyen von der Evangelischen Karmelmission berichtete, dass christliche Treffen in islamisch geprägten Ländern teilweise im Untergrund stattfinden, da einheimische Mitarbeiter mit Druck bis hin zu Terror durch extremistische Gruppen rechnen müssen. Zugleich betonte er, dass die Arbeit mit einheimischen Mitarbeitern vieles erleichtere, da sie zum Beispiel keine Einreisebeschränkungen hätten.

Dr. Sven Eißele von Reach Across schilderte Erfahrungen aus Uganda. Dort habe es Gegenwind nicht nur aus dem muslimischen Umfeld gegeben, sondern teilweise aus christlichen Gemeinden selbst. So seien somalische Flüchtlinge pauschal als Terroristen angesehen worden. Christen vor Ort hätten neu lernen müssen, sie zunächst als von Gott geschaffene und geliebte Menschen wahrzunehmen.

Ergänzend dazu bot das Programm weitere Möglichkeiten, Einblicke in die Missionsarbeit zu gewinnen – durch Seminare oder in direkten Gesprächen mit Vertretern der 15 Werke, die Ihre Arbeit an Ständen vorstellten. Parallel zum Hauptprogramm fand eine Kinderkonferenz statt.

Ausblick

Der Tag der Mission findet weiterhin am ersten Sonntag im Februar, also am 7.2.2027, statt. Auch im kommenden Jahr wird der Tag wieder die Möglichkeit bieten, zu entdecken, wie Christen in der Welt missionieren.

Quelle: Stiftung Hensoltshöhe – Michael thummert

Bilder: Helge Halmen

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert