Weißenburg – Mit wachsendem Unverständnis beobachten wir auch in Gunzenhausen das aktuelle Bürgerbegehren der ÖDP zur Hörnleinkreuzung in Weißenburg. Wieder einmal wird mit zugespitzten Schlagworten, fragwürdigen Zahlen und dem Narrativ vom „überdimensionierten Projekt“ gearbeitet – ohne die gesamte verkehrliche und wirtschaftliche Dimension ehrlich darzustellen.
Es ist legitim, Projekte kritisch zu hinterfragen. Was jedoch verwundert, nein sogar irritiert, ist das wiederkehrende Muster: Große Infrastrukturmaßnahmen werden reflexartig bekämpft, Kosten maximal hochgerechnet, Nutzen kleingeredet – und am Ende steht Stillstand. Dabei geht es bei der Hörnleinkreuzung nicht um „Betonpolitik von gestern“, sondern um Verkehrssicherheit, Leistungsfähigkeit und eine zukunftsfähige Infrastruktur für Pendler, Handwerk und Wirtschaft.
Wer heute pauschal von 50 Millionen Euro spricht, ohne Planungstiefe, Förderkulisse, Bauabschnitte und Sicherheitsanforderungen differenziert zu betrachten, erzeugt bewusst ein Schreckgespenst. Gleichzeitig wird unterschlagen, welche volkswirtschaftlichen Schäden durch Dauerstau, Unfallhäufungen und ausbleibende Investitionen entstehen können.
Leider reiht sich dieses Vorgehen in eine längere Liste ein.
Wir erinnern uns an die B13-Umfahrung Schlungenhof, die im Bundesverkehrswegeplan 2030 im „vordringlichen Bedarf“ stand – eine einmalige Chance für unsere Region. Sie hätte den Ortsteil massiv vom Durchgangsverkehr entlastet, Lebensqualität erhöht und Entwicklungsperspektiven geschaffen. Stattdessen wurde sie durch ein Bürgerbegehren gestoppt. Das Ergebnis sehen wir heute: Die Bahn baut nun eine Brücke über die WUG 22 bei Laubenzedel, weil Bahnübergänge aus Sicherheits- und Taktgründen beseitigt werden
müssen. Ein Tunnel wäre mit rund 30 Millionen Euro nicht wirtschaftlich gewesen – also kommt nun die Überführung. Genau vor diesem Szenario wurde damals gewarnt.
Ein Exkurs: bereits 2014 kündigte die Deutsche Bahn an, Bahnübergänge kreuzungsfrei auszubauen. 2016 kam die Holzbauertrasse in den vordringlichen Bedarf. 2020 stoppte das Bürgerbegehren die Umfahrung. 2026 läuft nun das Planfeststellungsverfahren für die Brücke. Wer damals – also 2020 – die „Nullvariante“ forderte, bekommt heute die landschaftsprägendste Lösung.
Dasselbe Bild beim geplanten Center-Parcs-Projekt im MUNA-Gelände in Langlau: Auch hier wurden Chancen auf Arbeitsplätze, Wertschöpfung, touristische Impulse und Infrastrukturentwicklung aus ideologischen Gründen blockiert. Regionen, die mutig gestalten, gewinnen – wir diskutieren über das Verhindern.
Zum Leserbrief von Simon Scherer vom 02.03.2026 möchten wir ebenfalls klar Stellung beziehen. Es ist schlicht unredlich, unterschiedliche Projekte mit unterschiedlichen Finanzierungsstrukturen und Zuständigkeiten in einen Topf zu werfen. Eine kommunale Umfahrung, eine Bundesstraße und ein komplexer höhenfreier Knotenpunkt mit Sicherheitsanforderungen sind weder planerisch noch haushaltsrechtlich vergleichbar.
Wenn der Bayerische Oberste Rechnungshof 2022 Hinweise zur Wirtschaftlichkeit gegeben hat, dann ist das ernst zu nehmen – genau dafür gibt es Prüfmechanismen. Daraus aber pauschal „Doppelzüngigkeit“ oder „gespaltene Zunge“ abzuleiten, ist polemisch und ersetzt keine sachliche Auseinandersetzung.
Politik bedeutet Abwägen, Priorisieren und auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren. Sie bedeutet nicht, jedes größere Infrastrukturprojekt reflexhaft als Flächenfraß oder Betonpolitik zu diffamieren.
Unsere Region braucht eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur. Sie braucht Arbeitsplätze, Entwicklungschancen und Planungssicherheit. Und sie braucht eine ehrliche Debatte auf Basis belastbarer Zahlen – nicht Kampagnen mit maximaler Emotionalisierung.
Wer jede größere Maßnahme verhindert, darf sich am Ende nicht über ausbleibende Investitionen, lange Umwege, Staus oder verpasste Chancen beklagen.
Quelle: CSU Gunzenhausen – Manuel Blenk
