Versorgung

Landtags-SPD sorgt sich wegen des Ladensterbens gerade in ländlichen Gebieten

München – In jeder vierten bayerischen Kommune gibt es keinen

Stefan Schuster SPD MdL

Lebensmittelmarkt mehr. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Läden von 6.501 auf 5.883 gesunken, wie das bayerische Innenministerium auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion einräumen musste.

Mittlerweile müssen 510 Kommunen in Bayern ohne eine wohnortnahe Versorgung mit den Dingen des alltäglichen Bedarfs auskommen. 158 davon haben nicht einmal mehr einen Bäcker oder Metzger. Im Schnitt machten in den letzten 15 Monaten monatlich fünf Läden zu.

Der SPD-Abgeordnete Stefan Schuster zur Entwicklung in seinem Betreuungs-Landkreis Weißenburg- Gunzenhausen:

Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ist die Zahl der Lebensmittelgeschäfte in den vergangenen zehn Jahren um 29 Prozent zurückgegangen. Auch die Einwohnerzahl hat abgenommen. Heute gibt es hier 14 Geschäfte weniger als im Jahr 2005. Der Landkreis ist damit mit am stärksten vom Ladensterben betroffen. Gleichzeitig hat auch die durchschnittliche Verkaufsfläche der Geschäfte hier abgenommen. Das deutet darauf hin, dass größere Märkte geschlossen haben, während sich kleinere Läden gehalten haben.

Marktführer im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ist Edeka mit insgesamt elf Filialen. In zwölf Orten im Landkreis gibt es kein Lebensmittelgeschäft (Absberg, Alesheim, Bergen, Burgsalach, Dittenheim, Ettenstadt, Haundorf, Höttingen, Markt Berolzheim, Meinheim, Raitenbuch, Solnhofen). Zwei davon gelten sogar als unversorgt, das heißt es ist nicht einmal ein Bäcker oder Metzger im Ort (Alesheim und Bergen). Allerdings nehmen engagierte Bürger die Nahversorgung im Landkreis selbst in die Hand: In Absberg gibt es eine Dorfladeninitiative.

Details zur Lage in den einzelnen bayerischen Landkreisen finden Sie grafisch aufbereitet auf der Internetseite des Bayerischen Rundfunks: http://web.br.de/interaktiv/ladensterben/#09577

Die SPD-Landtagsfraktion fordert staatliche Unterstützung für die betroffenen Kommunen: Wenn Marktmechanismen dazu führen, dass die Nahversorgung in der Fläche gefährdet ist, muss es Aufgabe der öffentlichen Hand sein, etwas dagegen zu tun. Als Grund für den Rückzug aus der Fläche sieht Schuster einen tiefgreifenden Strukturwandel und Konzentrationsprozess im Lebensmitteleinzelhandel. Denn während die Zahl der Lebensmittelmärkte um 9,5 Prozent abgenommen hat, ist die durchschnittliche Verkaufsfläche der verbliebenen Läden um knapp 24 Prozent gestiegen.

„Die Verlierer dieser Entwicklung sind die kleinen Supermärkte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 400 Quadratmeter. Das betrifft die Ortskerne im ländlichen Raum ebenso wie einzelne Viertel in Großstädten“, erklärt Schuster und warnt vor einem Teufelskreis: „Wenn das Lebensmittelgeschäft vor Ort schließt, stirbt auch ein großes Stück an Lebensqualität. Gerade die ältere Bevölkerung ist auf eine wohnortnahe Versorgung mit den Dingen des täglichen Bedarfs angewiesen und junge Familien ziehen gar nicht erst in eine Gemeinde, die keinerlei Einkaufsmöglichkeiten bietet.“

Eine Schlüsselrolle bei der Sicherung der Nahversorgung sieht Stefan Schuster in Dorf- und Stadtteilläden. Über 100 von ihnen wurden in den letzten zehn Jahren bayernweit gegründet. „Jeder Dorfladen basiert dabei auf der Eigeninitiative vor Ort und dem Engagement der Bürgerschaft“, lobt Schuster. Fakt ist aber auch, dass rein statistisch einem neuen Dorfladen sechs geschlossene Supermärkte gegenüberstehen.

Die SPD-Landtagsfraktion will deshalb ein Maßnahmenbündel auf den Weg bringen, um die Rahmenbedingungen für die Gründung von Dorf- und Stadtteilläden zu verbessern und dadurch zu erleichtern. Kernpunkte des Gesamtkonzepts der SPD-Landtagsfraktion:

Es sollen Servicestellen eingerichtet werden, die bei den Bezirksregierungen angedockt sind. Bisher gibt es keine zentralen Ansprechpartner, die über Fördermöglichkeiten aufklären und bei der Konzeptionierung beratend zur Seite stehen.

Nahversorgung muss als kommunale Pflichtaufgabe festgeschrieben werden. Das gibt gerade finanzschwachen Kommunen mehr Handlungsspielraum, für die Unterstützung von Dorfläden.

Eine zentrale Förderung durch den Freistaat würde die Neugründung von Dorf- und Stadtteilläden erleichtern und damit verbundene bürokratische Hürden aus dem Wegräumen.

Mit Einzelhandelskonzepten könnten Städte und Gemeinden den Erhalt von Einkaufsmöglichkeiten strategisch begleiten. Um die Kosten für solche Konzepte zu stemmen, muss der Freistaat helfen.

Schuster warnt: „Jede vierte bayerische Kommune hat keinen Supermarkt mehr und was macht die Staatsregierung? Sie gibt ein Handbuch zur Gründung von Dorfläden heraus. Das ist viel zu wenig. Wenn wir nichts gegen das Ladensterben tun, werden noch mehr Läden schließen. Der Markt regelt eben nicht alles.“

Quelle und Bild: Stefan Schuster MdL (SPD)

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