Vierhändiges Klaviererlebnis der Extraklasse

Gunzenhausen – Achtung, Vorurteil: Die griechische Mythologie ist eine von Männern dominierte Sagenwelt. Frauen kommen – wenn überhaupt – nur als Randfiguren vor. Das ist natürlich alles Quatsch, es gibt zahlreiche starke Frauen und die verschiedensten weiblichen Archetypen. Aphrodite, Athene und Persephone kennt dabei vermutlich jeder, doch was ist mit den Amazonen, den Horen und ganz wichtig, den Musen? Zu denen gehören immerhin Thalia und Kalliope, und die haben uns die wunderschönen Künste geschenkt. Die Dichtung etwa, die Malerei und die Musik. Dinge eben, die das Menschsein definieren, unser Bewusstsein schärfen und uns von anderen Tieren abheben. Und schier göttliche Klänge konnten auch die rund 200 Besucherinnen und Besucher vergangenen Sonntag in der Gunzenhäuser Stadthalle vernehmen. Die deutsch-griechischen Schwestern Danae und Kiveli Dörken sind wahre Meisterinnen am Flügel und boten ein vierhändiges Klaviererlebnis der Extraklasse. Sie leben und lieben klassische Musik, ihre Interpretationen der großen Meister sind eine gekonnte Fortführung des musischen Vermächtnisses.

Fotocredit: Stadt Gunzenhausen/Manuel Grosser

Bei allem Musiksachverstand lieben die Dörken-Schwestern die Inszenierung. Drapierte Gewänder in knalligen Farben, dazu dunkle, lockige Haare und die Haltung von Ballerinas – brennt das Rampenlicht… must the show definitiv go on! Dazu spiegelte sich während der 90 Minuten Auftritt in der Stadthalle der Kammerstil eines jeden Musikstücks im Mienen- und Gestenspiel der beiden Protagonistinnen wider. Der Flügel wurde zeitweise schwer bearbeitet und an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit geführt. Doch was im ersten Moment vielleicht kritisch klingen mag, ist höchstes Lob. Danae und Kiveli Dörken sind Meisterinnen, das Klavier wird unter den vier Händen zum willfährigen Werkzeug. Leidenschaft ist nunmal das, was Leiden schafft und Dörken-Hörende werden nach und nach in einen Sog der musikalischen Außergewöhnlichkeit gezogen. Hier kann es einem temporär um die ein oder andere Taste bangen, doch die Schwestern sind ein personifiziertes Statement für die Schönheit klassischer Musik.

Dabei ist die Stückauswahl auf den ersten Blick gar nicht so außergewöhnlich. Abgesehen von einem Manuel de Falla-Auszug aus „La Vida Breve“ haben wir am Sonntagabend viel Altbewährtes gehört. Ein wenig Franz Schubert geht immer, dazu die „ungarischen Tänze“ von Johannes Brahms und natürlich die ohrwurmfütternde Feengeschichte „Peer Gynt“ von Hendrik Ibsen und Edvard Grieg. Manchmal braucht es jedoch gar nicht das Außergewöhnliche um außergewöhnlichen Eindruck zu hinterlassen. Die Interpretationen waren mitreißend und in den Bann ziehend, so feurig-fulminant, dass das Publikum am Ende sogar spontan mitschnippen wollte. Wo Dörken draufsteht, da ist Qualität am Flügel, erst nach einer zweiten Zugabe durften die Schwestern auch tatsächlich die Bühne verlassen. Danae und Kiveli sind Musen und sorgen dafür, dass zu Hause wieder einmal die angestaubten Klassik-CDs im Player landen oder längst weggepackte Instrumente ihren zweiten Frühling erleben.

Wer die beiden sympathischen Musikerinnen in Gunzenhausen verpasst hat und/oder mehr über ihre Beziehung zur klassischen Kunst erfahren möchte, dem sei ihr höchstinteressanter Podcast „the sister trill“ empfohlen. Mit der Gunzenhäuser Konzertreihe geht es dagegen am Sonntag, 11. Mai 2025, mit einem Konzert des Simply Quartetts weiter. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf bei allen bekannten VVK-Stellen und an der Abendkasse. Die Veranstaltungsreihe wird von den Vereinigten Sparkassen Gunzenhausen finanziell unterstützt.

Für Fragen rund um die Gunzenhäuser Konzertreihe stehen Ihnen die Mitarbeiterinnen des Kulturbüros und der Tourist Information unter der Telefonnummer 09831/508-300 / -109 oder per E-Mail an kulturamt@gunzenhausen.de gerne zur Verfügung. Das Veranstaltungsprogramm finden Sie unter www.gunzenhausen.info.

Quelle: Stadt Gunzenhausen – Manuel Grosser

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