Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis für Christa Naaß

München/Haundorf – Im Rahmen des 18. Empfangs der Bayerischen SPD-Landtagsfraktion für Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler im Plenarsaal des Bayerischen Landtags wurde die Haundorfer Sozialdemokratin Christa Naaß mit dem Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis der Seliger-Gemeinde, der Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten, ausgezeichnet.

Sowohl die Generalsekretärin der BayernSPD, Kathrin Pollack, als auch Christa Naaß‘ langjähriger politischer Weggefährte und Nachfolger als SPD-Kreisvorsitzender, Harald Dösel, waren zu diesem Anlass nach München gekommen und freuten sich über die besondere Ehrung, zu der sie Christa Naaß herzlich gratulierten.

Mit dem Preis wurde Naaß, die den Vertriebenenempfang im Jahr 2008 als vertriebenenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion ins Leben rief, für ihr jahrzehntelanges, außergewöhnliches Engagement für die Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen ausgezeichnet. „Für mich ist sie ein politisches Vorbild. Sie nimmt die Geschichte der Sozialdemokratie ernst und erinnert an das Schicksal der deutschen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in der damaligen Tschechoslowakei, die bis zuletzt für Freiheit und Demokratie kämpften und von den Nationalsozialisten verfolgt wurden“, so Harald Dösel.

Aus dieser historischen Verantwortung – und auch aus der Geschichte ihrer eigenen sozialdemokratischen Familie – bezieht Christa Naaß ihre klare Haltung gegen den wiedererstarkenden Nationalismus in Europa. „Ihr unermüdlicher Einsatz für Demokratie, Versöhnung und Völkerverständigung verdient höchsten Respekt“, betonte daher auch die bayerische SPD-Generalsekretärin Kathrin Pollack.

In seiner Laudatio würdigte der ehemalige Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Libor Rouček, insbesondere den außergewöhnlichen persönlichen Einsatz der Preisträgerin. Christa Naaß arbeite „bienenfleißig Tag und Nacht“, häufig hinter den Kulissen und fern des Rampenlichts. Als Ko-Vorsitzende der Seliger-Gemeinde organisiert sie Seminare, Ausstellungen, Debatten und Begegnungen. Und in ihren Funktionen als langjährige Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates sowie Präsidentin der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft sei sie zudem eine der prägenden Organisatorinnen der Marienbader Gespräche zwischen Sudetendeutschen und Tschechen.

Darüber hinaus hob Rouček ihr Engagement für den Brünner Versöhnungsmarsch sowie ihren Beitrag zum ersten Sudetendeutschen Tag vor wenigen Wochen in Brünn hervor. Dass dieses schöne Zeichen der Völkerverständigung möglich gewesen war, ist nicht zuletzt der Initiative „Meeting Brno“ zu verdanken, deren Vertreter ebenfalls mit dem Wenzel-Jaksch-Preis ausgezeichnet wurden, ebenso wie der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe Bernd Posselt, MdEP a.D.

Rouček betonte auch das jahrzehntelange landes- und kommunalpolitische Wirken Chista Naaß‘. Nach zwanzig Jahren als Abgeordnete des Bayerischen Landtags engagierte sie sich ab 2013 zwei weitere Wahlperioden lang mit großer Leidenschaft im Bezirkstag Mittelfranken und initiierte in diesem Zeitraum eine Partnerschaft des Bezirks mit der Region Südmähren in Tschechien. Und bis Mai 2026 brachte sie ihre Erfahrung auch als Gemeinderätin in Haundorf sowie als Kreisrätin im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ein.

Für ihr herausragendes gesellschaftliches und politisches Engagement wurde sie bereits mit dem Bayerischen Verdienstorden, der Silbernen und Goldenen Verfassungsmedaille sowie der Georg-von-Vollmar-Medaille der BayernSPD ausgezeichnet. Mit dem Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis kommt nun eine weitere bedeutende Ehrung hinzu.

Im Rahmen des Empfangs zeichnete die SPD-Landtagsfraktion außerdem weitere Menschen als „Brückenbauer“ aus, die sich um die Aufarbeitung der Geschichte von Flucht und Vertreibung sowie um die Verständigung zwischen den Völkern verdient gemacht haben. Darunter auch die Journalistin und Autorin Caro Matzko, die für ihr Buch „Alte Wut“ geehrt wurde. Aus Sicht der bayerischen SPD-Landtagsfraktion sind in einer Zeit, in der Nationalismus und Ausgrenzung wieder an Stärke gewinnen, Menschen und Initiativen wichtig, die Brücken bauen statt Mauern zu errichten. Christa Naaß‘ Lebenswerk zeige eindrucksvoll, dass Versöhnung, Dialog und demokratische Überzeugungen die Grundlage eines friedlichen Europas sind.

Christa Naaß selbst bedankte sich mit Worten, angelehnt an ein Zitat von Willy Brandt: „frau hat sich bemüht“.

Quelle und Bilder: SPD Mittelfranken – Anette Fay

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